youpa Magazin

Nach den beiden grossen Veranstaltungen des DSJ, der Jugendparlamentskonferenz und der Delegiertenversammlung, erhältst du hier einen Rückblick auf die Veranstaltung.

 

youpa Magazin 2018

Stefanie, seit Januar 2019 bist du Geschäftsleiterin des DSJ. Wie hast du das erste halbe Jahr erlebt?

Schon ein halbes Jahr! Die Monate gestalteten sich intensiv in jeder Hinsicht. Erlebt habe ich zahlreiche extrem positive und erfolgreiche Momente, die meinen Entscheid, mich für den DSJ zu engagieren, nur bestätigten. Gleichzeitig fand ich mich auch in einigen sehr herausfordernden Situationen. Aber ohne diese wäre es ja auch langweilig. Herausforderungen bringen einen dazu, neue Wege zu gehen und bereichern den Alltag schlussendlich.

Auf alle Fälle freue ich mich sehr, durfte ich diese Funktion zu diesem Zeitpunkt übernehmen. Ich betrachte es als Ehre, beim DSJ ein so grosses Team von engagierten und qualifizierten Menschen zu führen. Und mich mit ihnen für die Förderung der politischen Partizipation und politische Bildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen einzusetzen.

Gibt es etwas, was dich total überrascht hat?

Dass sich Überraschungen wirklich unter jedem Blatt Papier verstecken können (grins). Vor allem jedoch das überaus grosse Angebot und Engagement wie auch die diversen Leistungen des DSJ. Obwohl ich den DSJ schon lange kannte, hatte ich das als „Aussenstehende“ nicht so wahrgenommen.

Hast du ein bestimmtes Ritual, wenn du morgens ins Büro kommst?

Nein. Ich mag es, wenn Tage immer unterschiedlich beginnen und verlaufen. Tag für Tag zur gleichen Zeit Teil von immer gleichen Abläufen zu sein macht mich früher oder später ganz
kribblig.

Jugend und Politik – Wie hängt das zusammen?

Die Politik braucht die Jugend. Ich finde es nicht nachhaltig, dass grosse Entscheide zur Zukunft der Schweiz oft ohne die Meinung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen getroffen werden, die jedoch wiederum länger mit den Konsequenzen der Entscheide leben. Und die Jugend braucht die Politik, um Einfluss auf die Rahmenbedingungen zu nehmen, in welchen sie lebt. Wir haben das Glück, in der wohlhabenden, gut funktionierenden Schweiz mit ihrem kompromissorientierten, partizipativen politischen System zu leben. Das als zu selbstverständlich anzunehmen, betrachte ich kritisch. Die direkte Demokratie der Schweiz braucht Jugendliche und junge Erwachsene, welche sie verstehen, an ihr teilhaben und die Werte der demokratischen Diskussionskultur weiterleben.

Du bist 31 Jahre alt. Wie wird man so jung Geschäftsleiterin?

Ich hatte und habe zwar immer eine vage Vorstellung davon, wo ich gerne hinwollte, bzw. will. Geplant habe ich das jedoch nicht. Ich darf behaupten, dass ich mich bisher stets für Themen engagierte, von deren Wert ich überzeugt bin. Im besten Fall umgeben von Menschen, die genauso engagiert ähnliche Ziele verfolgen. Ich bin überzeugt, dass alles irgendwie erreichbar ist, wenn man es genug fest will, solange es physisch realisierbar ist. Herzblut und einen möglichst positiven Blick auf Menschen helfen dabei sicher weiter. Wenn ich also einen Ratschlag geben müsste – so abgenutzt wie es klingt: Mach, was du magst und mag, was du machst. Und zwar möglichst unabhängig von externen Massstäben, auch wenn man trotzdem ständig von diesen beeinflusst wird. Natürlich ist das nicht einfach – aber es zu versuchen bringt dich in die richtige Richtung.

Der DSJ zählt zurzeit 40 Mitarbeitende und an manchen Wochentagen ist jeder Bürostuhl besetzt. Eine Methode für volle Konzentration ist: Kopfhörer auf! Welche Musik wählst du?

Musik ist für mich nie wegzudenken. Eine allgemeine Aussage dazu ist schwierig – jedem Moment seinen passenden Song. So spontan – Feierabend? Summer Sun, Cari Cari. Champagne, Django Django. Ein Konzept in kurzer Zeit aufs Papier bringen? Revolt, Muse. Deine Schuld, Die Ärzte. Killing in the Name, Rage Against the Machine. Es lief nicht wie es sollte? Float On, Modest Mouse. Oder Sweet Dreams, Eurythmics. Aber das ist nur ein Kratzen an der Oberfläche.

Der DSJ vereinigt 52 Jugendparlamente aus der ganzen Schweiz und aus Liechtenstein. Hast du einen Lieblingsort? Wenn ja: wo und warum?

Besonders gern mag ich beispielsweise Zürich, wegen der Konzertszene und Kreativität. Bern wegen der Herzlichkeit und dem Politgroove. Oder aber die schönsten Ecken in den Bergen, wegen ihrer Weitsicht und Freiheit – Saas Fee und die Gipfel ringsum beispielsweise.

Wie kühlst du deinen Kopf nach einem langen Tag am liebsten ab?

Mit einem Glacé unter FreundInnen oder einem Glas Wein. Oder rennend in der frischen Aareluft. Egal wie viele unzählige Male ich die kurvige Aarestrecke schon gerannt bin – ich geniesse sie jedes Mal von neuem.

Wenn du dich mit den Initialen des DSJ beschreiben müsstest, welche Attribute wählst du?

D wie Demokratie
S wie schoggiaffin
J wie jonglierend 

Alexander Omuku
Jahrgang: 1997
Jugendparlament: Conseil des Jeunes de Lausanne
Aktiv im Jugendparlament: Seit 2013
Beruf / Ausbildung: Student an der Handelshochschule HEC
Im DSJ-Vorstand: seit 2019
Funktion im Vorstand: youpa - Ausschuss

 

Wieso hast du entschieden, für den Vorstand zu kandidieren?

Ehrlich gesagt, wollte ich eigentlich gar nicht kandidieren. Ich habe meine Meinung geändert, weil an der DV viele Romands auf mich zugekommen sind und mich dazu ermutigt haben. Vielen von ihnen war es ein Anliegen, dass die Westschweiz im Vorstand gut vertreten ist. Dieses Vertrauen hat mich überrascht und sehr berührt. Ich habe lange gezögert... und nun bin ich da.

Was erwartest du von deinem Engagement im Vorstand?

Ich hoffe, in erster Linie die Interessen der Jupas verteidigen zu können – sei es bei der Entwicklung neuer Leistungen für sie oder bei der Umsetzung der an der DV verabschiedeten Strategie. Ich freue mich, dies in meinem neuen Verantwortungsbereich als Mitglied des youpa-Ausschusses zu tun.

Und ich hoffe vor allem auch, mein Deutsch zu verbessern! Auch wenn ich ja gar keine andere Wahl mehr habe...

Welche Eigenschaften bringst du mit, um den DSJ-Vorstand optimal zu ergänzen?

Ich war lange in Jupas aktiv und war in verschiedenen Vorständen Mitglied, in denen ich verschiedene Positionen innehatte. Ich habe den Vorteil, dass ich Mitglied zwei verschiedener Jupas war: Dem Conseil des Jeunes de Lausanne, ein lokales Jupa, das sich mehr auf die Umsetzung von Projekten konzentriert, sowie die Commission de Jeunes du Canton de Vaud, ein kantonales Jupa, das zu Gesetzesentwürfen Stellung nimmt. Ich glaube auch, dass ich durch meine Mitgliedschaft im Gemeinderat und die Leitung einer politischen Fraktion mit unterschiedlichen Personen viel gelernt habe.

Diese verschiedenen Erfahrungen kommen mir bei meiner neuen Aufgabe sicher zugute.

Was sollten die anderen Vorstandsmitglieder über dich wissen?

Ich liebe es zu tanzen, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Ih glaube, das konnte man an den DV oder JPK schon sehen. Bei Spielen kann ich aber auch sehr kompetitiv sein. Wie ihr euch vorstellen könnt, verliere ich beispielsweise bei Mario Kart nur ungern…

In welchen Momenten verlierst du deine Geduld?

Ich verliere relativ rasch die Geduld, wenn ich das Gefühl habe, dass ich der Einzige bin, der ein Thema in einer Diskussion nicht verstanden hat, obwohl man es mir mehrmals zu erklären versucht hat.

Auf welche Fragen kannst du Antworten liefern?

Kleine Anekdote: Eine Zeit lang war ich im Vorstand des Conseil des Jeunes de Lausanne und der Commission de Jeunes du Canton de Vaud gleichzeitig. Ich wurde lange "Doppelagent" oder "Verräter»" genannt… und das von beiden Jupas! Ich habe das immer als Spass aufgefasst, ich weiss, dass es nur ein Scherz war... hoffe ich zumindest.

Damien Richard

Jahrgang: 1994
Jugendparlament: Conseil des jeunes du district de Nyon / 
Commission des jeunes du canton de Vaud / Parlement Francophone des jeunes
Aktiv im Jugendparlament: 2011 – 2019
Beruf / Ausbildung: Maurer EFZ / Sicherheitsbeamter / 
Berufsmaturität
Im DSJ-Vorstand: seit 2014
Funktion: Co-Präsident / Ausschuss Finanzen & Administration / youpa

 

Du bist bei weitem am längsten im DSJ-Vorstand. Fühlst du dich als alter Hase im Vorstand für den ganzen Dachverband verantwortlich?

Nein, denn der DSJ ist eine grosse Familie, in der sowohl Alteingesessene als auch Neulinge Verantwortung übernehmen können.

Welches Ereignis aus deiner Vorstands-Zeit geht dir nicht mehr aus dem Kopf?

Das ist schwierig, es gibt nicht einen einzigen Anlass, den ich nicht vergessen werde. Bei jeder DV, JPK, Vorstandswochenende, usw. gibt es immer Dinge, Treffen, Diskussionen, die ich für immer in Erinnerung behalten möchte.

Kann man nach so vielen Jahren noch etwas Neues lernen?

Oh ja. Ich gehe davon aus, dass man täglich dazulernt, und das trifft auf den DSJ-Vorstand besonders zu. Bei jeder Sitzung, jedem Treffen, jedem Dokument lernt man etwas. Wenn man dies nicht merkt, reicht es, dass euch ein Vorstandsmitglied eine spezifische Frage stellt, an die ihr noch nicht gedacht habt.

Was gefällt dir an dieser Arbeit am besten?

Sich dafür zu engagieren, der Jugend eine Stimme zu verleihen.

Welchen Rat möchtest du den neuen Vorstandsmitgliedern mitgeben?

Zweifelt nicht an euch oder euren Ideen, die wichtigsten Fähigkeiten sind Durchhaltevermögen und Einheit.

In welchen Momenten verlierst du deine Geduld?

In drei Situationen verliere ich meine Geduld: Wenn eine Person die Reglemente ausnutzt, um ein persönliches Ziel zu erreichen. Wenn die gegenseitige Achtung abnimmt oder verschwindet. Wenn das Vertrauen enttäuscht wird.

Auf welche Fragen kannst du Antworten liefern?

Die Messung der Zeit bei der Entstehung der Sonne, berechnet in Neptunjahren.

Leah Gutzwiller
Jahrgang: 1998
Jugendparlament: Kanton Solothurn
Aktiv im Jugendparlament: 2017 – heute
Beruf / Ausbildung: Kauffrau EFZ
Im DSJ-Vorstand: seit 2017
Funktion im Vorstand: Ausschuss Finanzen und
Administration / Grundlagen politische Partizipation

 

Leah, Dominik Scherrer, ebenfalls Mitglied des Jupas Kanton Solothurn, ist nun seit zwei Jahren im Vorstand. Inwiefern hat er dich dazu motiviert, für den Vorstand zu kandidieren?

Dominik hat mir nie wirklich nahegelegt, für den Vorstand des DSJ zu kandidieren. Er kennt aber den DSJ sehr gut und auch sein internationales Engagement hat mich dazu inspiriert, mehr für Jugendliche und deren Einbezug in die Politik zu tun. Ich denke, seine Begeisterung und das Herzblut, mit dem er sich dafür einsetzt, haben mich tatsächlich etwas mitgerissen. Je mehr ich von diesem Umfeld sehe, desto stärker will ich mich darin engagieren. Über das Jugendparlament Kanton Solothurn, das einen starken Kontakt zu Infoklick hat, darf ich nun auch bei einer internationalen Arbeitsgruppe der European Youth Information and Counseling Agency (ERYICA) mitarbeiten. Ich denke, es sind vor allem diese Dinge, die mich schliesslich dazu bewogen haben, zu kandidieren.

Fun Fact: Dominik hat sich immer peinlich dagegen gewehrt, meine Absicht zu kommentieren, ich wusste also bis nach der Wahl nicht, ob er meine Kandidatur als eine gute oder eine schlechte Idee empfand.

Was erwartest du von deinem Engagement im Vorstand?

Ich habe seit der Wahl bereits fast alle Vorstandsprotokolle vom letzten Jahr gelesen, von daher weiss ich, was mich erwartet (lacht).
Es gibt viele Dinge, die ich im DSJ-Vorstand anschauen und auch kritisch beleuchten möchte. Dafür bin ich bei F&A und GPP in den  richtigen Ausschüssen. Sicher will ich meine Ideen im DSJ auch durchsetzen, da gibt es aber einige harte Nüsse zu knacken.

Welche Eigenschaften bringst du mit, um den DSJ-Vorstand optimal zu ergänzen?

Als ausgebildete Kauffrau bringe ich Erfahrung mit aus einem Bereich, der dem DSJ sehr nahe ist, und kann die Auswirkungen der Entscheide des Vorstands auf die Geschäftsstelle wahrscheinlich sehr gut einschätzen. Als Frau bringe ich gemeinsam mit Bérénice auch eine andere Perspektive in den „männerdominierten Vorstand“. Bereits Doris Leuthard hat gesagt, dass Frauen lösungsorientierter arbeiten.

Was sollten die anderen Vorstandsmitglieder über dich wissen?

Ich bin ein offenes Buch – der Vorstand kann mich wirklich alles fragen, was er will! Ganz wichtig ist vielleicht: Geheimnisse sind bei mir gut aufgehoben.

In welchen Momenten verlierst du deine Geduld?

Wenn die kantonalen Behörden meine E-Mails nicht beantworten, dann bringt mich das auf die Palme. Und wenn dann meine Inputs nicht ernst genommen und mir lästige Fragen über Gewaltentrennung gestellt werden, sollte man sich besser verstecken.

Auf welche Fragen kannst du Antworten liefern?

Alles zu Herr der Ringe, wann jemand Geburtstag hat (wirklich bei allen Leuten) oder wenn man eine unverbindliche Einschätzung braucht, ob man bei x oder y (Person aus der Jupa-Szene) eine Chance hat.

Geschäftsleiter Maurus Blumenthal im Interview

Was 1995 aus einer Jugendparlamentskonferenz hervorging, ist heute einer der grössten Schweizer Jugendverbände im politischen Bereich. Maurus Blumenthal führt als Geschäftsleiter seit dem 1. Februar 2012 die Geschäftsstelle des DSJ. Nun verlässt er den DSJ per Ende Jahr 2018. Der Geschäftsleiter über die Veränderungen des Verbandes, die Wünsche der Jugendlichen und wie der DSJ darauf reagiert. 

Von Sheila Glasz, 20.12.2018

„Der DSJ konnte in den letzten Jahren unterschiedliche Angebote zur Förderung der Jugendparlamente und zur Förderung der politischen Partizipation und der politischen Bildung entwickeln.“

 

Maurus, du hast in den letzten fast sieben Jahren massgeblich zum Erfolg des DSJ beitragen können. Neben neuen Angeboten und Dienstleistungen des DSJ gibt es heute fast 80Jugendparlamente in der Schweiz und immer mehr Jugendliche, die sich für politisches Engagement interessieren. Was waren die grössten Meilensteine in den letzten Jahren und wie konnten diese Herausforderungen bezwungen werden? 

Der DSJ ist vor ungefähr zehn Jahren fast eingegangen und auch die Zahl der aktiven Jugendparlamente war gegenüber früher stark gesunken. Es gibt ein einziges Jahr ohne youpa-Magazin (früher Elch-Magazin), nämlich 2008. Damals war der DSJ an seinem Tiefpunkt. Doch dann hat der DSJ den Turnaround geschafft. Die wichtigsten Gründe, warum sich der DSJ ab 2011 in dieser Form entwickeln konnte, waren anfangs sicher das neue Kinder- und Jugendförderungsgesetz sowie dass die easyvote-Broschüre auf die ganze Schweiz ausgeweitet und Teil des DSJ wurde. Darauf aufbauend hat der DSJ seine Angebote Schritt für Schritt ausgeweitet, um die Jugendparlamente besser zu unterstützen und neue Angebote für Jugendliche zu schaffen. Der DSJ konnte in den letzten Jahren aber auch davon profitieren, dass es im Bereich der politischen Partizipation sehr wenig Nachwuchsförderung gab. So konnte er in diesem Bereich wichtige Pionierarbeit leisten. Der Trend nach mehr Partizipation in der Jugendpolitik ist in den letzten Jahren im Allgemeinen angestiegen, auch dies hat die Entwicklung des DSJ ermöglicht. Natürlich hatte der DSJ im Vorstand und in der Geschäftsstelle auch viele engagierte Personen, die ihren Job sehr gut gemacht haben. Ohne diese würde der DSJ heute nicht dort stehen, wo er steht.

 

„Ohne die Jugendparlamente im Rücken als Träger des DSJ hätte der DSJ sich nicht in dieser Form entwickeln können.“

 

Die grösste Herausforderung in den letzten Jahren war angesichts des grossen Wachstums sicherlich, die Aktivitäten zu finanzieren. Der DSJ steht zwar heute auf soliden Beinen da, aber die Finanzierung ist im NPO-Bereich immer eine Herausforderung. Zudem bestand eine weitere Herausforderung darin, dass der DSJ seine Strukturen anpassen und sich professionalisieren musste, so dass der Vorstand den DSJ in dieser Grösse auch führen konnte. Dies haben wir in den letzten Jahren sehr gut gemeistert. Auch für die Jugendparlamente und somit auch die „Besitzer“ des DSJ hat sich diese Entwicklung gelohnt, denn ihr Jugendverband ist heute der wichtigste Akteur, wenn es um die Förderung der politischen Partizipation in der Schweiz geht. Ohne die Jugendparlamente im Rücken als Träger des DSJ hätte der DSJ sich nicht in dieser Form entwickeln können.

 

Wie du soeben erwähnt hast, ist der DSJ in den letzten Jahren stark gewachsen und wächst auch kontinuierlich weiter. Zwischen 2012 und 2018 hat sich die Anzahl Mitarbeitenden von 13 auf 36 erhöht. Stossen die Angebote des Verbandes wirklich auf so viel Resonanz oder werden einfach nur mehr Ressourcen benötigt? 

Der DSJ konnte in den letzten Jahren unterschiedliche Angebote zur Förderung der Jugendparlamente und zur Förderung der politischen Partizipation und der politischen Bildung entwickeln. Teilweise stossen diese Angebote am Anfang auf wenig Resonanz, weil sie wenig bekannt und noch nicht ausgereift sind. Aber beim DSJ ist die stetige Verbesserung wichtig. Wenn die Angebote dann bekannt sind, die Bedürfnisse der Jugendlichen abdecken und qualitativ stimmen, dann nimmt auch die Reichweite zu. Heute erhalten bspw. 20 % der jungen Erwachsenen die easyvote-Broschüre, es gibt fast 80 Jugendparlamente und über „Verändere die Schweiz“ können Jugendliche Anliegen direkt ins Bundeshaus einbringen. Mit dem bestehenden breiten Angebot erreichen wir unterschiedliche Jugendliche und junge Erwachsene, denn nicht alle wollen von Anfang an in einem Jugendparlament mitmachen, viele muss man anders abholen.

Damit wir nicht nur durch konkrete Angebote etwas bewirken können, sondern auch die entsprechenden Rahmenbedingungen verbessern können, hat der DSJ seine Aktivitäten in der Grundlagenarbeit mit dem neuen Bereich GPP in die Strategie 2017–19 aufgenommen. Der DSJ verfügt nun über eine in sich stimmige Angebotspalette, um seine in den Statuten formulierten Ziele zu erreichen. 

 

„Der DSJ ist heute bekannter, vernetzter und wird auch ernster genommen.“

 

Die Angebote, die geschaffen werden, brauchen also grundsätzlich mehr personelle Ressourcen, obwohl diese noch nicht etabliert und bekannt sind?

Die Tätigkeiten des DSJ sind heute im Vergleich zu 2012, als ich beim DSJ angefangen habe, breiter geworden, haben heute aber auch eine grössere Reichweite. Für diese Arbeit braucht es natürlich genügend personelle Ressourcen. Ohne diese personelle Entwicklung wäre der DSJ nie da, wo er heute ist. Die Wirkung ist natürlich nicht immer zeitnah ersichtlich, aber der effiziente Einsatz der Ressourcen war mir immer wichtig.

 

Wenn du die Situation heute mit jener vor sieben Jahren vergleichst: Was ist die grösste Veränderung?

Der DSJ ist heute bekannter, vernetzter und wird auch ernster genommen. Weiter nehme ich aus Rückmeldungen wahr, dass die Jugendparlamente heute ein besseres Image haben. Der DSJ ist auch stabiler geworden, vieles hat sich auf der Geschäftsstelle inzwischen eingespielt. Wenn es an der JPK einen Verlust von CHF 10‘000.– gibt, ist dies nicht existenzbedrohend für den DSJ. Was aber gleichgeblieben ist, ist das durchschnittliche Alter auf der Geschäftsstelle und im Vorstand. Natürlich freut mich auch, dass der Jupa-Spirit an Veranstaltungen wie an der JPK, aber auch die Stimmung auf der Geschäftsstelle sich nicht verändert haben.

 

Wie antwortet der Verband konkret auf die Wünsche der jungen Erwachsenen?

Damit wir die Bedürfnisse unserer Zielgruppe kennen und darauf eingehen können, ist es wichtig zu wissen, welche Bedürfnisse sie haben. Dies können wir einerseits durch Umfragen und Evaluationen erkennen, anderseits durch das Testen der Angebote. Wir führen bei neuen Angeboten auch vielfach zuerst ein Pilotprojekt durch, so wie bei der Leitungsausbildung Jugend + Politik, bei Mission engage oder bei easyvote-school. Ebenfalls wichtig für den DSJ ist, dass unsere Mitarbeitenden selber jung noch sind und entsprechend ähnlich ticken wie unsere Zielgruppe.

Die Angebote, die wir in den letzten Jahren entwickelt haben, sind immer aus den Bedürfnissen der Jugendlichen selber entstanden. Beispiele dafür sind die easyvote-Clips, Speed Debating oder engage.ch. Durch die Arbeit im Bereich GPP soll zukünftig aber noch mehr Wissen zu den Bedürfnissen und Wirkungsmodellen im Bereich der politischen Partizipation generiert werden.

 

In deiner Rede an der Jugendparlamentskonferenz 2018 hast du gesagt, dass es nach so vielen Jahren Zeit für etwas Neues ist, für den DSJ sowie auch für dich. Mit Stefanie Bosshard kommt ein frischer Wind in die Geschäftsstelle. Was erhoffst du dir von dem Wechsel?

Stefanie bringt vieles im Bereich Bildung und Ausbildung mit und hier liegt meiner Meinung nach noch Potenzial für den DSJ. In den nächsten Jahren ist für den DSJ aber sicher Kontinuität angesagt, nach dieser intensiven Aufbauphase. Auch sollten die Mitglieder des DSJ stärker von den verschiedenen Angeboten des DSJ profitieren können. Der Vorstand möchte mit der neuen Strategie für die Jahre 2020–22 den eingeschlagenen Weg weiterführen. Stefanie wird aber auch frischen Wind auf die Geschäftsstelle bringen und sicher einiges ändern. Das einzige, was ich mir wirklich erhoffe, ist, dass sie ihre Arbeit als Geschäftsleiterin mit Freude machen kann.

Bérénice Georges
Jahrgang: 1996
Jugendparlament: Kanton Wallis
Beruf / Ausbildung: Bachelor in Geografie
Im DSJ-Vorstand: seit 2019
Funktion im Vorstand: youpa - Ausschuss

 

Wieso hast du entschieden, für den Vorstand zu kandidieren?

Ich habe das Glück, in einem Kanton mit einem gut funktionierenden Jupa zu leben, indem sich die Mitglieder wirklich engagieren können. Als Mitglied des Vorstands möchte ich mich dafür einsetzen, dass alle Jugendlichen in der Schweiz diese Chance erhalten.

Was erwartest du von deinem Engagement im Vorstand?

Vorstandsmitglied zu sein ist vor allem eine neue Erfahrung. Ich freue mich, strategisch zu arbeiten, da meine bisherigen Erfahrungen im Vereinswesen eher operativ waren.

Welche Eigenschaften bringst du mit, um den DSJ-Vorstand optimal zu ergänzen?

Ich bin Mitglied mehrerer Vorstände, in denen ich Teamführung und Planung gelernt habe. Ich hoffe, dies beim DSJ nutzen zu können.

Was sollten die anderen Vorstandsmitglieder über dich wissen?

Es ist sehr wichtig, dass sie wissen, dass ich auf Sellerie allergisch bin. Das ist mega wichtig!

Und ich habe wirklich Angst vor Fischen, ihr werdet mich also nie
mit den Füssen im Genfersee einen Selleriesalat essen sehen.

In welchen Momenten verlierst du deine Geduld?

Ich bin grundsätzlich sehr geduldig, aber Menschen ohne Meinung können mich auf die Palme bringen. Und Drucker! Mit Druckern bin ich gar nicht geduldig!

Auf welche Fragen kannst du Antworten liefern?

Ich bin anerkannte Expertin in Orthographie, Abfalltrennung und dummen Witzen! 

Giorgio Tresoldi
Jahrgang: 1994
Jugendparlament: Consiglio Cantonale dei Giovani /
Jugendparlament Kanton Zürich
Aktiv im Jugendparlament: 2009–2014 / 2016–2017
Beruf / Ausbildung: MSc ETH in Elektrotechnik /
Informationstechnologie
Im DSJ-Vorstand: seit 2016
Funktion im Vorstand: easyvote - Ausschuss

 

Du bist 2016 in den DSJ-Vorstand gewählt worden. Was hat sich aus deiner Sicht seit damals am meisten verändert?

Ein Tessiner ist in den Bundesrat gewählt worden, Grossbritannien gehört bald nicht mehr der EU an, Trump ist Präsident der USA – aber die grösste Neuigkeit: Wir haben eine neue Geschäftsführerin! Obwohl Stefanie erst seit Kurzem dabei ist, hat sie eine Welle von positiver Energie ausgelöst.

Welches Ereignis aus deiner Vorstands-Zeit geht dir nicht mehr aus dem Kopf?

Als ich an der JPK 2016 in Genf das Elch-Kostüm tragen durfte, um für die JPK-Kandidatur von Zürich für das Jahr 2017 Werbung zu machen. 

Inwiefern profitiert man, wenn man im Vorstand einer solchen Organisation aktiv ist?

Es gibt immer etwas Neues zu lernen, sei es im Umgang mit Menschen, in der Führung einer NPO oder in anderen spannenden Bereichen. Vor allem die Kommunikation ist ein wichtiges, aber auch anspruchsvolles Thema in der Vorstandsarbeit. Dieses Interview ist ein sehr gutes Beispiel dafür.

Welchen Rat möchtest du den neuen Vorstandsmitgliedern mitgeben?

Beziehungen, Pflanzen und Haustiere könnten unter eurem Engagement leiden – passt gut auf sie auf! Ausserdem ist man als DSJ-Vorstandsmitglied ein beliebtes Thema für Klatsch und Tratsch, intime Geheimnisse sollte man also nur ausgewählten JupalerInnen anvertrauen.

In welchen Momenten verlierst du deine Geduld?

Ich verliere meine Geduld sehr selten. Ausser, wenn jemand vor mir Spaghetti mit dem Messer zerschneidet, wie zum Beispiel gewisse GPK- oder VS-Mitglieder in Crans-Montana.

Zu welchen Fragen kannst du Antworten liefern?

Ich weiss alles über Flugzeuge, Züge und Elektronik. Wenn jemand (langweilige) Antworten zu spannenden Fragen sucht, kann man sich bei mir melden.

 

Antoine Menna

Jahrgang: 1997
Jugendparlament: Conseil des Jeunes d’Yverdon
Aktiv im Jupa: Seit 2018
Beruf / Ausbildung: Bachelorstudent in Politikwissenschaften
Im DSJ-Vorstand: seit 2019
Funktion im Vorstand: easyvote-Ausschuss

 

Wieso hast du dich dazu entschieden, für den Vorstand zu kandidieren?

Ich habe entschieden, für den DSJ-Vorstand zu kandidieren, da ich mehr Verantwortung übernehmen möchte und die Vorstandswahl sich dafür als grosse Chance erwiesen hat. Ausserdem möchte ich mich insbesondere durch die Förderung von Jugendparlamenten für das Engagement der Jugend in öffentlichen Angelegenheiten einsetzen. Meiner Ansicht nach ist es sehr bereichernd, Mitglied eines Jupas zu sein, und man kann sich staatsbürgerliche Kompetenzen aneignen, die für die Politik grundlegend sind.

Die beruflichen Kompetenzen, die man in einem solchen Vorstand erwerben kann, haben mich ebenfalls zur Kandidatur motiviert.

Was erwartest du von deinem Engagement im Vorstand?

Herausforderungen, die mit dem Vorstands-Team, der Geschäftsstelle, aber auch den Jugendparlamenten gemeistert werden müssen. Deshalb erscheint mir eine gute Zusammenarbeit zwischen den Vorstandsmitgliedern und mit den  verschiedenen DSJ-Mitarbeitenden grundlegend.

Welche Eigenschaften bringst du mit, um den DSJ-Vorstand optimal zu ergänzen?

Mein Studium in Politikwissenschaften hilft mir, die gesellschaftlichen Phänomene zu analysieren, welche die Schweizer Politik und Aussenpolitik beeinflussen. Dieser Studiengang bietet eine solide Grundlage für die Kenntnisse des politischen Systems ganz allgemein. Ausserdem vermittelt mir meine Funktion als Sekretär im Conseil des Jeunes d’Yverdon einen praktischeren Eindruck der öffentlichen Angelegenheiten. Die Kombination von theoretischen und praktischen Aspekten kann ein Plus sein.

Was sollten die anderen Vorstandsmitglieder über dich wissen?

Ich bin sehr hintergründig, das heisst, ich kann zum Spass Absurdes erzählen und dabei ganz ernst bleiben. Manchmal wissen die Leute dann nicht, wie sie darauf reagieren sollen.

In welchen Momenten verlierst du deine Geduld?

Ich verliere meine Geduld bei Phrasendrescherei, also wenn die Leute nicht Klartext sprechen.

Auf welche Fragen kannst du Antworten liefern?

Ich beschäftigte mich gerne mit dem Abstimmungsverhalten, um zu verstehen, wie jemand abstimmt und wieso. Ausserdem bin ich Fan von Game of Thrones oder Vikings, darüber können wir gerne diskutieren!

Dominik Scherrer
Jahrgang: 1996
Jugendparlament: Kanton Solothurn
Aktiv im Jugendparlament: 2013 – 2018
Beruf / Ausbildung: Trainee bei der SBB / Master in Unternehmensführung
Im DSJ-Vorstand: seit 2017
Funktion im Vorstand: Co-Präsident / Ausschuss Finanzen &
Administration / Grundlagen politische Partizipation

 

Dominik, mit dir und Leah Gutzwiller sind zwei Personen aus dem Jupa Solothurn im Vorstand vertreten. Michael Kahler und Ruben Schwarz sind ebenfalls aus dem gleichen Jupa. Sollte ein Vorstand eines solchen Verbandes nicht aus Leuten bestehen, die unterschiedliche Hintergründe und Erfahrungen vorweisen?

Als Frau mit Berufsbildung ist Leah wie es scheint die Quotenversion von mir (lacht). Ich denke definitiv, dass unterschiedliche Hintergründe wichtig sind. Nur weil man vom gleichen Jupa ist, heisst das jedoch nicht, dass man den gleichen Hintergrund hat. Ich denke, wir sind sowohl beruflich als auch charakterlich zwei sehr unterschiedliche Personen. Eventuell wäre es für den Kontakt zu den Mitgliedern jedoch vorteilhafter, wenn der Vorstand breiter abgestützt wäre. Die Zusammensetzung des Vorstands ist jedoch eine Entscheidung der Delegiertenversammlung, daher stelle ich das nicht in Frage. Ausserdem darf man sich bei mir jederzeit gerne persönlich, per Telefon, per E-Mail oder auf Facebook melden. Ich antworte eigentlich immer.

Du wurdest im Jahr 2017 in den Vorstand gewählt. Was hat dich damals dazu motiviert und was hast du seither erlebt?

Ich war dazumal in der GPK (Geschäftsprüfungskommission) des DSJ und kannte den DSJ und die Arbeit des Vorstands entsprechend gut. Ich habe mich schon immer für strategische Fragestellungen interessiert, doch da ich meinen Bachelor in Rotterdam und Paris gemacht habe, konnte ich vor 2017 keine Kandidatur für den Vorstand in Erwägung ziehen. Motiviert hat mich damals wie heute, dass ich möchte, dass Jugendliche in echte politische Prozesse eingebunden werden und das Leben um sie herum mitgestalten können. Ich denke, gerade mein Mandat beim Europarat (nicht EU!) hat mir aufgezeigt, dass es in der Schweiz leider noch viel zu oft Fake- oder Scheinpartizipation gibt. In der Ukraine will die Regierung beispielsweise flächendeckend Jugendparlamente einführen.
Ich hatte im Februar die Gelegenheit, mich mit dem ukrainischen Vizeminister für Jugend auszutauschen und ihm zu erläutern, wie Partizipationsstukturen gestaltet sein müssen, um auch tatsächlich eine wirkungsvolle Partizipation zu ermöglichen.

Das klingt doch schon sehr professionell. Inwiefern profitiert man denn, wenn man im Vorstand einer Organisation wie dem DSJ aktiv ist?

Wir setzen uns für Jugendliche in der Schweiz ein. Der DSJ leistet einen wichtigen Beitrag, um die Gemeinden und Kantone für die Bedeutung der Partizipation Jugendlicher zu sensibilisieren und sie dabei zu unterstützen, Jugendliche besser in das politische System einzubinden. Mit unserer Arbeit unterstützen wir Jugendliche in der ganzen Schweiz.

Ausserdem darf man nicht vergessen, dass es sonst kaum eine Möglichkeit gibt, in so jungem Alter so viel Verantwortung zu übernehmen und Führungserfahrung zu sammeln. Immerhin leiten wir als Vorstand gewissermassen einen Betrieb mit 53 Angestellten und für den DSJ sass ich auch das erste Mal in meinem Leben bei einem Bewerbungsgespräch auf der Arbeitgeberseite.

Nicht zu vergessen sind auch die Freundschaften, die man im Vorstand schliessen kann, oder die Praxis-Credits, die ich mir an mein Masterstudium anrechnen konnte (lacht).

Welchen Rat möchtest du den neuen Vorstandsmitgliedern mitgeben?

Am Ende stehen immer die Jugendlichen, die von den Angeboten und der Arbeit des DSJ profitieren müssen.

Ausserdem trägt man in einem Vorstand natürlich grosse Verantwortung. Nichtsdestotrotz sollte man aber auch auf Spass und den Team-Spirit achten!

In welchen Momenten verlierst du deine Geduld?

Ich bin allgemein kein sehr geduldiger Mensch. Will man diesen Vorgang beschleunigen, dann stellt man mir immer und immer wieder dieselbe Frage, dann kann man sich sicher sein, dass ich die Geduld verliere.

Auf welche Fragen kannst du Antworten liefern?

Alles zu europäischen Youth Policy Standards und Co-Management. Und für die ganz wichtigen Dinge im Leben kann ich auch Ratschläge geben, zum Beispiel wie man am besten ein Tinder-Date ruiniert.